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9. Insiderinformationen

      Obwohl Insider am ehesten in der Lage sein müßten, Fundamentalanalysen durchzuführen, ist ein Anhängen an Insidertransaktionen nicht unbedingt empfehlenswert. Dies sei an dem folgenden Chart von Federal Express Corp. erläutert. In den USA müssen Insiderkäufe und -verkäufe der an der NYSE notierten Aktien offengelegt werden. Daher ist es Chartdiensten möglich, über Insiderkäufe und -verkäufe zu berichten. ("+" 0) bedeutet Insiderkäufe, ("-"0) bedeutet Insiderverkäufe. Wie nun der Chart (Abb. 9.1) zeigt, können Insiderkäufe und Insiderverkäufe zur gleichen Zeit vorliegen, wie etwa in der Woche vom 21. bis 28. September. Soll man das als Ausdruck unterschiedlicher Meinungen von Insidern werten oder als Ausdruck unterschiedlicher finanzieller Situationen? Analysiert man das Chartheft von Daily Graphs, so kommt man zu dem Ergebnis, daß Insider gelegentlich richtig liegen, gelegentlich aber auch falsch. Im vorliegenden Chart beispielsweise sehen wir Insiderkäufe im Juni und Juli. Dies ist angesichts der folgenden Kurssteigerung richtig. Im August, September, Oktober und November konstatieren wir aber Verkäufe, obwohl die Kurse bis Februar noch kräftig steigen. Ende Januar 1980 ist nahe dem Höchstkurs ein Kauf eines Insiders zu verzeichnen. Darüber hinaus weiß man nicht, welche Strategien den Anlageentscheidungen der Insider zugrundeliegen.
      Wer Insiderinformationen aufgrund seiner Stellung im Unternehmen hat, muß nicht unbedingt ein guter Spekulant sein. Gerade Insider sind emotionell stark mit ihrem Unternehmen verbunden, und ihre Anlageentscheidungen bezüglich der Aktien der eigenen Firma sind daher unter Umständen emotionell beeinflußt. Das gleiche gilt für die Beurteilung der Lage der eigenen Firma.
     Informationen von Insidern können auch bewußte Fehlinformationen sein. So spricht manches dafür, daß man sich nicht auf Informationen von Insidern verlassen sollte. Ein großer Spekulant der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert, Bernhard Baruch, hat gesagt: "Je länger ich an der Wall Street arbeitete, desto mißtrauischer wurde ich Tips und vertraulichen Informationen jeder Art gegenüber. Ich glaube, daß vertrauliche Informationen mit der Zeit sogar die Bank von England oder das Schatzamt der Vereinigten Staaten ruinieren könnten." [9.1]

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