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6.5 Trendlinien

6.5.1 Hausse-Unterstützungslinien und Hausse-Widerstandslinien

       Eine Hausse-Unterstützungslinie wird in einem Point & Figure Chart eingezeichnet, indem man von dem Kästchen aus, das unterhalb des tiefsten Bodens (Spalte mit o) liegt, eine 45-Grad-Linie [6.2] nach rechts oben zieht.
       Eine Hausse-Widerstandslinie wird von dem Punkt aus als 45-Grad-Linie nach rechts oben eingezeichnet, in dem sie oberhalb der links vom Kaufsignal liegenden Spitze (Spalte mit x) in eine Wand von Kreisen hineinläuft.
       Beide Linien werden eingezeichnet, wenn sich das erste Kaufsignal ergeben hat. Wird die Hausse-Widerstandslinie nach oben durchbrochen, so wird oberhalb der nächsten weiter links liegenden Spitze die nächste Hausse-Widerstandslinie eingezeichnet.
       Hausse-Widerstandslinien wandeln sich in Hausse-Unterstützungslinien, wenn sie nach oben durchbrochen worden sind. Eine Hausse-Widerstandslinie hat sich in eine Hausse-Unterstützungslinie gewandelt, wenn eine Abwärtsbewegung oberhalb der Linie oder auf ihr zum Stillstand gekommen ist.

Das Einzeichnen sei am Beispiel von VIAG (Abb. 6.5.1) erläutert:

Abbildung 6.5.1: Hausse-Unterstützungslinie und Hausse-Widerstandslinie am Beispiel von VIAG. Triple Top

     Die Hausse-Unterstützungslinie wird ausgehend vom tiefsten Boden ein Kästchen beim Kurses von 5,6 € nach rechts oben eingezeichnet. Man sieht, wie sie beim Kurs von 16,4 € zu einer Unterstützungslinie wird. Die erste Hausse-Widerstandslinie beginnt bei 7,2 €.

6.5.2 Baisse-Widerstandslinien und Baisse-Unterstützungslinien

      Eine Baisse-Widerstandslinie wird eingezeichnet, indem man von dem Kästchen aus, das oberhalb der höchsten Spitze (Spalte mit x) liegt, eine 45-Grad-Linie nach rechts unten zieht.
      Eine Baisse-Unterstützungslinie wird von dem Punkt aus als 45-Grad-Linie nach rechts unten eingezeichnet, indem sie unterhalb des letzten Bodens (Spalte mit o) in eine Wand von Kreuzen hineinläuft.
       Beide Linien werden eingezeichnet, wenn sich das erste Verkaufssignal ergeben hat. Wird die Baisse-Unterstützungslinie nach unten durchbrochen, so wird unterhalb des nächsten weiter links liegenden Bodens die nächste Baisse-Unterstützungslinie eingezeichnet.
       Werden Baisse-Unterstützungslinien nach unten durchbrochen, so wandeln sie sich in Baisse-Widerstandslinien. Eine BaisseUnterstützungslinie hat sich in eine Baisse-Widerstandslinie gewandelt, wenn eine Aufwärtsbewegung unterhalb der Linie oder auf ihr zum Stillstand gekommen ist.

Wieder sei dies an einem Beispiel (Abb. 6.3.2) erläutert:

Abbildung 6.5.2: Baisse-Widerstandslinie und Baisse-Unterstützungslinie am Beispiel der HypoVereinsbank.Triple Top

       Die Baisse-Widerstandslinie beginnt oberhalb der Spitze bei 28,4 €. Sie wird von diesem Punkt aus nach rechts unten gezogen. Die erste Baisse-Unterstüzungslinie setzt bei 25,2 € an. Die ersten Abwärtsbewegungen kommen jeweils ein bis zwei Kästchen unterhalb dieser Linie zum Stillstand.

6.5.3 Die Bedeutung der Trendlinien für die Börsenstrategie

Ein Kaufsignal, das

- unterhalb der Baisse-Widerstandslinie oder
- unterhalb der Baisse-Unterstützungslinie, die sich in eine Baisse- Widerstandslinie gewandelt hat,

liegt, ist ein falsches Signal.

Ein Verkaufssignal, das

- oberhalb der Hausse-Unterstützungslinie oder
- oberhalb der Hausse-Widerstandslinie, die sich in eine Hausse- Unterstützungslinie gewandelt hat,

liegt, ist ein falsches Signal.

Falsche Signale sollten ignoriert werden.

      Trendlinien können auch im Zusammenhang mit kürzerfristigen taktischen Erwägungen von Nutzen sein. Hat sich zum Beispiel bei einer Aktie ein Kaufsignal ergeben und ist der Kurs beträchtlich gestiegen, ohne daß man die Kursbewegung als Aktionär mitgemacht hat, so signalisiert ein Rückschlag, der an der Hausse-Unterstützungslinie zum Stillstand kommt, daß die Zeit zum Einstieg in die Aktie günstig ist. Daß eine Abwärtsbewegung zum Stillstand kommt, wissen wir, wenn sich eine Drei-Punkt-Umkehr nach oben ergeben hat.
       Die Point & Figure Anlagestrategie sei nun an einem Beispiel erläutert. Wenn wir im Jahre 1970 aufgrund des Haussedreiecks, das sich von März bis September herausgebildet hatte, die Aktie Lof Glass (Abb. 6.3.4) gekauft hatten, so haben wir vom Kästchen 28 an eine Hausse-Unterstützungslinie in unserem Chart eingezeichnet. Der Kauf erfolgt zum Kurs von 35. Die erste HausseWiderstandslinie wird im Dezember 1970 nach oben durchbrochen. Wir zeichnen die zweite Hausse-Widerstandslinie. Im Verlauf des Februar/März 1971 wandelt sich die erste Hausse-Widerstandslinie zu einer Unterstützungslinie. Im Mai 1971 erhalten wir ein Verkaufssignal bei 51, da hier ein hoher Pol vorliegt. Obwohl ein hoher Pol ein Verkaufssignal darstellt, das nicht auf der Point & Figure Grundstrategie basiert, sollten wir hier bereits verkaufen. Nachdem der Kurs, auf 46 gesunken ist, hat sich eine Baisse-Umkehrformation ergeben. Gleichzeitig ist die erste Hausse-Widerstandslinie, die sich in eine Hausse- Unterstützungslinie gewandelt hat, nach unten durchbrochen worden. Unser Verkaufssignal ist also vollständig. Wir zeichnen, beginnend oberhalb der Spitze bei 55, eine Baisse-Widerstandslinie ein. Falls wir den Verkauf bei 51 verpaßt haben und auch das zweite Verkaufssignal bei 46 nicht beachtet haben, erhalten wir ein erneutes Verkaufssignal bei 45, da hier ein Dreifachboden vorliegt und die Hausse-Unterstützungslinie nach unten durchbrochen worden ist. Wir zeichnen eine neue Baisse-Widerstandslinie ein, die bei der zweiten Spitze oberhalb von 55 beginnt. Falls wir immer noch nicht verkauft haben, werden wir mit einem erneuten Kursanstieg konfrontiert, der aber nahe der Baisse-Widerstandslinie zum Stillstand kommt. Im Januar 1972 hat sich bei 49 eine DreiPunkt-Umkehr an der Baisse-Widerstandslinie ergeben, wodurch sich ein unter taktischen Gesichtspunkten günstiger Zeitpunkt zum Ausstieg ergibt, da wir schon drei Verkaufssignale gehabt haben und der Kurs die Baisse-Widerstandslinie nicht nach oben durchbrechen konnte. Wir zeichnen die Baisse-Unterstützungslinie ein. Im November 1972 erhalten wir ein einfaches Haussesignal. Dieses Signal liegt unterhalb der Baisse-Widerstandslinie. Eine Baisse-Unterstützungslinie, die sich in eine Widerstandslinie gewandelt hätte, ist noch nicht vorhanden. Daher ist das Kaufsignal nicht zu beachten. Im Juli 1973 ergibt sich dieselbe Situation. Auch dieses Kaufsignal wird nicht beachtet. Das gleiche ergibt sich im März 1974, und auch dieses Kaufsignal wird nicht beachtet. Es folgt eine größere Abwärtsbewegung, und es ergeben sich zwei erste einfache Kaufsignale im Oktober 1974 und im Februar 1975. Mittlerweile ist die Baisse-UnterstÜtzungslinie in den Monaten September und Oktober 1974 zur BaisseWiderstandslinie geworden. Die einfachen Kaufsignale entsprechen zwar der Grundstrategie, stellen aber noch keine Formationen dar. Eine Aufwärtsbewegung um einen weiteren Punkt ergäbe jedoch eine Dreifachspitze vom Typ B. Daher kaufen wir noch nicht und warten ab, bis sich im März 1975 eine aufgespreizte Dreifachspitze ergibt. Wir kaufen zum Kurs von 19. Gleichzeitig zeichnen wir eine Hausse-Unterstützungslinie ein, die unterhalb des Bodens bei 12 beginnt. Im April 1975 ergibt sich ein Baissesignal. Da dieses oberhalb der Hausse-Unterstützungslinie liegt, beachten wir es nicht. Von Mai bis August liegen zwar die Kurse unter der Hausse-Unterstützungslinie, diese ist aber noch nicht mit einem Verkaufssignal nach unten durchbrochen worden. Vielmehr ist die Abwärtsbewegung an der Hausse-Unterstützungslinie zunächst zum Stehen gekommen. Bei dem Kurs von 15,5 liegt offensichtlich stärkere Unterstützung vor. Wir halten die Aktie weiter, bis wir schließlich beim Kurs von 29 verkaufen, da hier ein Dreifachboden des Typs B vorliegt und gleichzeitig die erste Hausse-Widerstandslinie, die sich zur Hausse-Unterstützungslinie gewandelt hat, nach unten durchbrochen wird.

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