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5.1.2 Trendbestätigungsformationen (Konsolidierungsformationen) - Keile, Flaggen und Wimpel

     Im Zuge einer langfristigen Aufwärtsbewegung kommt es immer wieder zu kurzfristigen Kurskorrekturen und im Zuge einer Abwärtsbewegung zu Kurserholungen (technische Reaktionen). Die Dauer solcher Kurskorrekturen und Kurserholungen ist unbestimmt, häufig aber vollziehen sich Kursänderungen in Trendrichtung relativ schnell und plötzlich, während die Phase der kurzfristigen Kurskorrektur oder die Phase der kurzfristigen Kurserholung einen längeren Zeitraum umfaßt. Man bezeichnet diese Phasen daher auch als Konsolidierungsphasen, in denen sich der Markt an das neu gefundene Kursniveau gewöhnen muß.
     Solche Konsolidierungsphasen bilden sich in Konsolidierungsformationen ab. Konsolidierungsformationen entstehen durch ein Auf und Ab der Kurse, wobei die Kursbewegung sich in einem bestimmten Bereich vollzieht. Diese Bereiche der Kursbewegung werden dadurch gekennzeichnet, daß man die Hochpunkte der Kursbewegung und die Tiefpunkte der Kursbewegung in diesen Zeitintervallen miteinander verbindet. Je nach der Form der sich auf diese Weise ergebenden Figuren spricht man von Keilen, wenn sowohl die obere als auch die untere Begrenzungslinie entgegen der Trendbewegung verlaufen und aufeinanderzulaufen, von Flaggen, wenn die Begrenzungslinien entgegen der Trendbewegung, aber parallel verlaufen und von Dreiecken, wenn die obere Begrenzungslinie entgegen dem Trend, die untere Begrenzungslinie mit dem Trend verläuft. Bei den Dreiecken unterscheiden wir symmetrische Dreiecke, wenn die obere Begrenzungslinie abwärts und die untere Begrenzungslinie aufwärts verläuft, Aufwärtsdreiecke, wenn die obere Begrenzungslinie waagerecht und Abwärtsdreiecke, wenn die untere Begrenzungslinie waagerecht verläuft (Abb. 5.1.5). Flaggen und Keile, die Konsolidierungsphasen im Verlauf eines Aufwärtstrends markieren, sind abwärts gerichtet, wohingegen Flaggen und Keile, die eine Erholungsphase im Verlauf eines Abwärtstrends markieren, aufwärts gerichtet sind. Die Bilder dieser Konsolidierungsformation sind schematisch in Abb. 5.1.5 dargestellt
.

Abbildung 5.1.5: Schematische Darstellung von Keilen, Flaggen, Wimpeln, Rechtecken und Dreiecken.

 Beispiele für Flaggen, Keile und Wimpel, wie sie sich im Verlaufe eines Aufwärtstrends ergeben, zeigt der Chart für des DM/US-Dollar von August 1998 bis Juli 2000 (Abb. 5.1.6):

Abbildung 5.1.6: Keile, Flaggen und Wimpel als Konsolidierungsformation im Trendverlauf am Beispiel des DM/US-Dollar.

     Nachdem der US-$/DM-Kurs im Oktober 1998 einen Tiefpunkt (Doji) von wenig über 1.60 US-$/DM erreicht hatte, stieg er im April/Mai 2000 auf fast 2.20 US-$/DM an. Wie das Chartbild zeigt, wurde der Beginn der Aufwärtsbewegung in Form einer Flagge im November 1998 kurzzeitig bei etwas über 1.70 US-$/DM unterbrochen. Es folgte eine leichte Abwärtskonsolidierung, die im Januar wieder in einen Aufwärtstrend übergeht. Bei 1.80 US-$/DM bildete sich ein Konsolidierungsdreieck aus dem jedoch gleich darauf ein Ausbruch nach oben erfolgt. Die Aufwärtsbewegung scheint noch verfrüht und findet bei etwas über 1.83 US-$/DM Widerstand. Auch diese Marke wird zu schnell nach oben verlassen und der Kurs kommt im Mai nochmals unter die Widerstandslinie bei 1.83 US-$/DM. Nun scheint die Erholung endgültig abgeschlossen zu sein. Der anschliessende Aufwärtstrend verlauft keilförmig. Die Begrenzungslinien der Hochpunkte und der Tiefpunkte laufen aufeinander zu, so daß sie einen Keil ergeben. Der Kurs findet seine Höchstmarke bei 1.91 US-$/DM. Dieser Kursralley folgt eine lange rote Kerze, mit der der die untere Begrenzungslinie der Flagge durchbrochen wird. Dies stellt somit ein Verkaufsignal dar. Im primären Aufwärtstrend findet der fallende Wechgselkurs Unterstützung. Der alte Höchststand von 1.91 US-$/DM wird Anfang Dezember erneut getestet und auch leicht überschritten. Das sich im alten Höchststand gebildete Dreieck wird nach unten durchstoßen. Dies erweißt sich jedoch als Fehlsignal. Der Kurs des US-$/DM dreht und verläuft weiter gegen Norden und stößt an die 2.00 US-$/DM-Marke. Auch diese Marke wird nach einer kurzen Erholung gebrochen und nach verlassen des daran anschliessende Konsolidierungsdreieck erreicht der Chart im Mai 2000 bei etwas unter 2.20 US-$/DM sogar eine neue Höchstmarke. Von hier prallt er jedoch ab und der Kurs findet erst wieder bei 2.02 US-$/DM halt. Nun beginnt erneut die Aufwärtsbewegung. Man darf gespannt sein ob die alte Höchstmarke von 2.20 überschritten werden kann. An diesem Beispiel sieht man, daß Konsolidierungsphasen unterschiedlich lange dauern können. Die Formen der Konsolidierungsformationen im Verlauf einer Trendbewegung können unterschiedlich sein (Keile, Wimpel usw.). Eine erläuternde Stellungsnahme zum Euro/US-$--Kurs kann dem Aufsatz "Das Rätsel Euro-Kurs?" entnommen werden.

     Das Chartbild des Wechselkurses unterscheidet sich im Prinzip nicht von den Chartbildern für Aktien. Das deutet darauf hin, daß die Gesetzmäßigkeiten der Preisbewegungen, die wir in Chartbildern beobachten, weniger etwas damit zu tun haben, daß es sich bei den abgebildeten Preisen gerade um die Preise von Aktien handelt, sondern mehr damit, daß es sich hierbei um Preise von Objekten handelt, die an organisierten Märkten gehandelt werden.

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