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5. Analyse der Märkte einzelner Aktien durch Bar Chart Analyse

5.1 Die Formationen der Bar Chart Analyse

5.1.1 Trendwendeformationen

5.1.1.1 Kopf-Schulter-Formationen

      Bei den Kurskurven einzelner Aktien kündigen sich Trendwenden durch bestimmte Formationen an. Formationen, die Trendwenden ankündigen, nennt man auch Umkehrformationen. Eine solche Umkehrformation ist die Kopf-Schulter- Formation. Sie besteht aus einem Scheitelpunkt, um den sich links und rechts zwei niedrige, Scheitel gebildet haben. Die Tiefpunkte zwischen den Scheiteln und dem Kopf werden durch eine sogenannte Nackenlinie verbunden. Die Nackenlinie ist eine Linie, bei der der Kurs nach unten offenbar Widerstand findet. Durchbricht nun nach einer Kopf-Schulter-Formation der Kurs die Nackenlinie nach unten, so ist dies ein Verkaufssignal (V).
      Bestätigt wird dieses Verkaufssignal, wenn der Kurs gleichzeitig eine Trendlinie oder einen gleitenden Durchschnitt nach unten durchbricht.
      Neben dem Bild, das die Kurse liefern, wird dem Verhalten der Umsätze besondere Beachtung geschenkt. Das Umschlagen eines Aufwärtstrends in einen Abwärtstrend wird dadurch signalisiert, daß die Umsätze in der linken Schulter höher sind als in der Spitze und in der Spitze höher als in der rechten Schulter, daß sie aber beim Durchbrechen der Nackenlinie nach unten wieder zunehmen. Ein wichtiger Kernsatz der Technischen Analyse lautet: "Volume goes with the trend." (Hohe Umsätze bei Aufwärtsbewegungen der Kurse deuten auf weitere Kurssteigerungen. Hohe Umsätze bei Abwärtsbewegungen der Kurse deuten auf weitere Kurssenkungen.)
      Die Kombination dieser drei Merkmale, Kursformation, Durchbruch durch eine Trendlinie und Umsatzverhalten, stellt das Anzeichen einer Trendwende dar (Abb. 5. 1.1).

Abbildung 5.1.1: Darstellung einer Trendwende mit Kopf-Schulter-Formation.

     Schlägt ein Abwärtstrend in einen Aufwärtstrend um, so kommt die gleiche Formation als umgekehrte Kopf-Schulter-Formation vor. Ein Tief wird links und rechts von zwei höherliegenden Tiefpunkten flankiert. Die Hochpunkte zwischen Kopf und Schultern werden wiederum durch eine Nackenlinie verbunden. Durchbricht der Kurs die Nackenlinie nach oben, so ist dies ein Kaufsignal (K). Dieses Kaufsignal wird bestätigt, wenn gleichzeitig eine Abwärtstrendlinie oder ein gleitender Durchschnitt nach oben durchbrochen wird. Die Umsätze sollen hierbei von der linken Schulter zur rechten Schulter hin zunehmen und auch beim Durchbruch durch die Nackenlinie relativ hoch sein (Abb. 5.1.1).
       Als Beispiel sei der Kursverlauf von CNET NETWORKS im Jahre 1998/00 dargestellt (Abb. 5.1.1). Von Mitte September 99 bis Dezember schwankt der Kurs im Bereich 45/60$. Dabei bildet sich die linke Schulter. Dann erfolgt ein Kursanstieg bis 80$, worauf der Kurs wiederum bis fast 45$ zurückfällt. Das ist der Kopf. Sodann erfolgt ein erneuter Anstieg des Kurses bis zur rechten Schulter in Höhe von 70$ und wieder ein Sinken auf 45$, wo der Kurs Widerstand findet. Anfang April 2000 fällt er dann unter 40$. Dieses Verkaufssignal kann von den Durchschnittslinien bestätigt werden. (Kurs unterschreitet den längerfristigen Durchschnitt oder langfristige Durchschnittslinie schneidet die Kurzristige von oben nach unten)
      Die Umsätze waren nach dem Durchbruch durch die Nackenlinie relativ hoch und stiegen danach an. (Mitte April).
      Ein Beispiel einer umgekehrten Kopf-Schulter-Formation stellt der Kursverlauf von PNC BANK in den Jahren 1998/00 dar. Der Kurs ist zunächst bis 48$ gesunken (linke Schulter). Nach einem Anstieg bis 41$ sinkt er bis 37$ ab (Kopf). Nachdem er wiederum bis 47$ steigt, sinkt er erneut auf 42$ ab (rechte Schulter). Die Hochpunkte zwischen dem Kopf und den Schultern in Höhe von 48/47 werden miteinander verbunden und stellen die Nackenlinie dar. Ende Mai 1999 schließlich durchbricht der Kurs die Nackenlinie nach oben. Die Umsätze steigen beim Durchbruch durch die Nackenlinie stark an. Damit hat sich beim Kurs von 47$ ein eindeutiges Kaufsignal ergeben (Abb. 5.1.1). Bei einer idealtypischen umgekehrten Kopf-Schulter-Formation steigen die Umsätze bei jeder Höckerbildung an. Im Zeitpunkt des Durchbruches durch den Widerstand der Nackenlinie ist der Aktienumsatz relativ hoch.

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