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4.7 Odd-Lot Balance Index und Odd-Lot Short Sale Index

Der Odd-Lot Balance Index ist das Verhältnis der Odd-Lot Verkäufe zu den Odd-Lot Käufen. Der Odd-Lot Short Sale Index ist das Verhältnis der Odd-Lot Leerverkäufe zu den Odd-Lot Verkäufen.
      Der Odd-Lot Handel ist eine Besonderheit des amerikanischen Aktienmarktes. An deutschen Aktienmärkten gibt es einen Kassaeinheitskurs. Das bedeutet, daß alle Kauf- und Verkaufsaufträge, auch die kleineren, einmal am Tag einem Makler übergeben werden und daß dieser Makler den Kassaeinheitskurs berechnet, das ist der Kurs, zu dem sich der größte Umsatz tätigen läßt. An amerikanischen Börsen gibt es Spezialisten (specialists) für jeweils eine oder einige Aktien, die mit dem Börsenpublikum in den Aktien handeln, auf die sie spezialisiert sind. Aus Gründen der Vereinfachung handeln diese Spezialisten nur in round lots, das heißt sie handeln nur 100 Aktien oder ein Vielfaches davon. Will jemand eine geringere Aktienzahl kaufen oder verkaufen, so wendet sich sein Broker an einen anderen Broker, den Odd-Lot Spezialisten. Der Odd-Lot Spezialist faßt kleine Kaufund Verkaufsaufträge zusammen und handelt seinerseits mit dem Spezialisten in round lots.
      Das Volumen der Odd-Lot Transaktion wird statistisch erfaßt. Es kann als Gradmesser der Aktivität der kleineren Leute aufgefaßt werden, die nicht über die Mittel verfügen, die erforderlich sind, um in round lots handeln zu können. Die Prognosefähigkeit des Odd-Lot Index beruht auf der Annahme, daß die kleinen Leute immer die Dummen sind. Sie kaufen, wenn die Kurse am höchsten sind, und sie verkaufen, wenn die Kurse am tiefsten sind. Eine Zunahme des Wertes des Odd-Lot Balance Index und eine Zunahme des Odd-Lot Short Sale Index werden daher als Zeichen dafür aufgefaßt, daß eine Abwärtsbewegung bald zum Stillstand kommen wird und umgekehrt. In den siebziger Jahren hat die Odd-Lot Theorie Anhänger verloren, da sich die kleinen Leute als recht gute Spekulanten erwiesen haben.