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3.5 Die Rentabilitätskennzahlen

     Als Renditen oder Rentabilitätskennzahlen - ein Spezialfall der Verhältniszahlen - bezeichnet man eine Beziehungszahl, welche "Größen, zwischen denen ein ökonomischer Zusammenhang (Ursache-Wirkung-Zusammenhang) besteht und verschiedenen Gesamteinheiten angehören, ins Verhältnis setzen"3.17 :

     In vielen Fällen stellen Renditen (Rentabilitätszahlen) gerade den Kehrwert einer Verhältniskennzahl dar. Nachfolgend werden wir Rentabilität betrachten, deren Nenngrößen (Bestimmungsgrößen) Umsatzerlöse, eingesetztes Kapital oder Aktienkurse sind.

3.5.1 Die Eigenkapitalrendite und ihre Abhängigkeit

     Gewinnmaximierung ist ein wichtiges Teilziel eines Unternehmens. Dieses Streben schlägt sich unter anderem in der Eigenkapitalrentabilität (Return on Common Equity, ROE), Nettobetrag des Jahresüberschusses, der für das Eigenkapital zur Verfügung steht)3.18 nieder. "Die Maximierung dieser Kennzahl stellt die eigentliche Zielgröße der erwerbswirtschaftlich orientierten Unternehmung dar."3.19 Die Eigenkapitalrentabilität (REK) liefert dem Betrachter eine komprimierte Aussage über die Erfolgslage. Anhand der REK kann die Verzinsung des von den Anteilseignern investierten Kapital abgelesen werden, indem sie das Jahresergebnis mit dem Eigenkapital in Beziehung setzt.

Als beeinflussende Faktoren der Eigenkapitalrentabilität (REK) gelten3.20:

a) der Erfolg des betrieblichen Umsatzprozesses bzw. des betrieblichen Haupttätigkeitsbereichs,
b) der Erfolg der Finanzanlagen
c) die Finanzierungsstruktur
d) das außerordentliche Ergebnis

      Als Kennzahlen für a) wird unter anderem die Umsatzrendite herangezogen (vgl. 2.5.1.1). Für jeden der obigen Parameter kann wiederum mit Hilfe von Kennzahlen eine Aussage über seinen Einfluss auf die Eigenkapitalrendite angegeben werden. Somit führt uns die REK zu weiteren (Rentabilitäts-)Kennziffern.
Der Zusammenhang der einzelnen Kennzahlen kann durch einen Abhängigkeitsbaum veranschaulicht werden:

Abbildung 3.4: Rentabilität des Eigenkapitals und seine Abhängigkeiten.[3.21]

3.5.1.1 Umsatzrentabilität

    Die Umsatzrendite hat eine zentrale Bedeutung in der Unternehmensanalyse. Des öfteren wird steigender Umsatz als Zeichen für eine positive Unternehmensentwicklung gedeutet. So wird z.B. AOL oft als das Aushängeschild für die E-Commerce-Branche herangezogen. Trotz enormer Verluste steigen die Umsätze dieses Unternehmens. Meldungen über höheren Unternehmensumsatz sind nur dann als positiv zu bewerten, wenn die betreffende Unternehmung als "Zielsetzung Umsatzstreben verfolgt oder wenn bei jeder Umsatzhöhe Gewinn erzielt oder zumindest die Kosten gedeckt würden."3.22
    Um nun die wirtschaftliche Lage einer Gesellschaft zu beurteilen, müssen die Einnahmen aus dem Verkauf der betrieblichen Leistungen (=Umsatzerlöse) zu den Aufwendungen, welche durch die Produktion und Verwertung dieser Leistungen entstehen, in Relation gesetzt werden.

Die Umsatzrendite zeigt den prozentualen Erfolgsbeitrag, der durch die Verkäufe erwirtschaftet wurde. In einigen Veröffentlichungen findet man auch folgende Formel:

     Wäre der Jahreserfolg der Unternehmung nur auf betriebliche Tätigkeit zurückzuführen (ordentliches Betriebsergebnis), wäre die Berechnung richtig. In der Praxis werden jedoch das Finanzergebnis und ein außerordentlicher Beitrag miteingehen.

3.5.1.2 Das Bindeglied Umsatzrentabilität

     Die Umsatzrendite ist ein Indikator für die eigentliche betriebliche Tätigkeit eines Unternehmens. Um die Erfolgsträchtigkeit zu beurteilen, müssen wir auch das Vermögen miteinbeziehen, welches den Umsatz bzw. das Betriebsergebnis erst ermöglicht hat. Dieses Vermögen bezeichnet man als betriebsbedingtes oder betriebsnotwendiges Vermögen oder auch Hauptzweckvermögen. Wir können folgenden Zusammenhang festhalten:

    Die Umsatzkennzahl stellt das Bindeglied zwischen eingesetztem Kapital und dem ordentlichen Betriebsvermögen dar. Die Fragen, die sich aus der ersten Beziehung ergeben lauten: Wie stark wurden die Unternehmenskapazitäten vom Umsatz in Anspruch genommen? Wie oft wurde das im Hauptzweckvermögen gebundene Kapital durch die Umsatzerlöse umgeschlagen?

     Verbindet man nun die Kapital-Produktivität (Kapitalumschlagshäufigkeit KUH) und die Umsatzrendite miteinander, erhält man folgende Ergebnis:

    In dieser Kennzahl ist die Aussage enthalten, dass "der eigentliche betriebliche Tätigkeitsbereich vom ökonomischen Standpunkt her auf Dauer nur fortgeführt werden kann, wenn der mit dem Verkauf der betrieblichen Leistungen erwirtschaftete Gewinn (= positive Umsatzrendite) so hoch ist, dass er das Kapital angemessen verzinst, welches in den zur Erstellung der Leistungen benötigten Wirtschaftgütern gebunden ist."3.23

3.5.1.3 Rentabilität des Finanzanlagevermögens

     Neben der eigentlichen betrieblichen Tätigkeit investieren Unternehmen häufig in Finanzanlagen. Die Summe der Investitionen kann der Bilanz entnommen werden. Die entsprechenden Aufwendungen und Erträge können der Gewinn- und Verlustrechnung entnommen werden. Die Rentabilität des Finanzanlagevermögens (FinAV) läßt sich nun wie folgt berechnen:

3.5.1.4 Die Gesamtrentabilität

    In der Regel dürfen bei der Berechnung der "Rentabilitäten des Hauptzweckvermögens und des Finanzanlagevermögens einige Aktivposten der Bilanz und einige Posten der Gewinn- und Verlustrechnung nicht berücksichtigt werden."3.24 Aus diesem Grunde kann die Summe der beiden Vermögensgegenstände (EK+GK) nicht das Gesamtkapital (Investiertes Kapital, Kapitalmittel)3.25 des Betriebes sein. Das gleiche gilt für die jeweiligen Erfolgsgrößen; zusammen erfassen sie nicht den Gesamterfolg des Betriebes. Die bei der Ermittlung der einzelnen Vermögen - außer den Zinsen und ähnliche Aufwendungen - ausgelassenen Positionen müssen berücksichtigt werden, wenn die Rentabilität des Gesamtkapitals (RGK, Return on Investment, R.O.I. bzw. der Nettobetrag, der für das Gesamtkapital zur Verfügung steht)3.26 berechnet wird. Dies erfolgt mit Hilfe der sogenannten Restgröße. Die einzelnen Renditen werden mit ihrem Anteil am Gesamtvermögen gewichtet.

    Die im Zähler stehenden Gewinn- und Verlustgrößen ergeben das Jahresergebnis ohne Zinsen und ähnliche Aufwendungen. Der dargestellte Erfolg kann aber auch durch Jahresergebnis plus die Zinsen des Fremdkapitals beschrieben werden.

    Die Gesamtrentabilität drückt die durchschnittliche Verzinsung des im Betrieb insgesamt eingesetzten Kapitals aus. Hierbei werden Zahlungen an Kapitalgeber noch nicht berücksichtigt (vgl. Leverage-Effekt).

3.5.1.5 Leverage-Effekt

    Die Höhe der ausgezahlten Rendite an die Kapitalgeber ist unterschiedlich. Die Eigenkapitalgeber erhalten unter der Bedingung, dass der Fremdkapitalsatz geringer ist als RGK und somit der "Zinsaufwand niedriger als der Nutzen der Fremdmittel" einen zusätzlichen Zinsgewinn (Leverage-Effekt). Ist REK = RGK, so müssen sich die Eigenkapitalgeber mit einer Verzinsung in Höhe der RGK zufrieden geben. Der Zinsunterschied lässt sich formal darstellen:

: Finanzierungsstruktur des Betriebes

: Finanzierungsbeitrag des Fremdkapitals

Die Höhe der Eigenkapitalrendite berechnet sich dann wie folgt:

     Der Finanzierungsbeitrag kann, sofern RGK kleiner als REK ist, negativ werden. Hierbei ist zu beachten, dass bei einer Unternehmung, welche zum Teil mit Fremdkapital finanziert ist, "also die Eigenkapitalquote geringer als 100 Prozent ist, sich die Schwankungen der Gesamtkapitalrendite überproportional auf Schwankungen der Eigenkapitalrendite auswirken."3.27 Daraus lässt sich folgende allgemeine Regel ableiten: "Je höher der Fremdkapitalanteil am Gesamtkapital ist, desto stärker schwankt die Eigenkapitalrentabilität bei gegebenen Schwankungen der Gesamtrentabilität."3.28
    Zwischen der Umsatzrendite und der Eigenkapitalrendite besteht nur ein indirekter Zusammenhang, der keine direkten Rückschlüsse des Umsatzeinflusses auf die Eigenkapitalrendite zulässt. Unter der Bezeichnung Strömungsgrößen sind in dieser Arbeit die Ströme des Kapitalflusses gemeint.

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