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3.1 Die Barwertmethode

     Die Fundamentalanalytiker sind davon überzeugt, dass sich der Kurs einer Aktie auf Dauer nach ihrem "inneren Wert" (Ertragswert, Kapitalwert, Gegenwartswert, engl. Present Value bzw. Instrinsic Value) richtet. Der "innere Wert" einer Aktie ist von schwer zu schätzenden Faktoren, wie zum Beispiel den weiteren Unternehmensaussichten, den Fähigkeiten des Management und von berechenbaren Parametern, s. Abb. 3.2, abhängig:

Abbildung 3.2: Den inneren Wert einer Aktie beeinflussende Parameter.[3.2]

     Die Theorie der Fundamentalanalytiker besagt, das der Börsenkurs naturgemäß um diesen "inneren Wert" schwankt. Notiert ein Titel über seinem "inneren Wert", so gilt er als überbewertet und im umgekehrten Fall als unterbewertet. Diese Abweichungen des realen Kurses vom theoretischen kann der Spekulant ausnutzen.


Abbildung 3.3: Kursschwankungen um den inneren Wert.

     Zur Bestimmung des "inneren Wertes" einer Aktie wird das Barwertkonzept verwendet. Bei dieser Methode wird der Unternehmenswert dadurch ermittelt, dass die zukünftigen Erträge auf den heutigen Zeitpunkt abdiskontiert werden.3.3
    Aufgrund der nur vierteljährlich veröffentlichten Bilanzdaten, der nicht mit in die Berechnung einfließenden Parametern und der Schätzung zukünftiger Daten wird der "innere Wert" als der "echte" Börsenkurs in Frage gestellt. 
    Die verschiedenen Barwertverfahren lassen sich unter Wachstumsgesichtspunkten untergliedern (vgl. Abb. 3.1). Als Vorteilsstrom (vgl. Abb. 3.1) können je nach Barwertmodell verschiedene Stromgrößen eingesetzt werden. Im Allgemeinen verwendete Größen sind der Gesamtgewinn, der Ertragswert (Gewinne, die zur Erhöhung des Nettovermögens führen)3.4 oder der Cash-Flow oder auch die Dividendenausschüttung. Es ergibt sich, je nach eingesetzter Größe, ein Gewinnansatz, ein Ertragswert, ein Cash-Flow-Ansatz oder ein Dividendenansatz.3.5 In der Praxis ist der Gewinnansatz weit verbreitet und wird oft als Barwertmethode bezeichnet.
     Die Barwertmethode unter der Annahmen eines konstanten Wachstumsmodells wird unter Punkt 4 erläutert. Die Berechnung unter der Verwendung veränderlicher Zahlungsströme wird in Kapitel 5 beschrieben. Auf die Nullwachstumsmodelle wird nun im folgenden näher eingegangen.
     Unterstellt man, dass der zu betrachtende Strom des Unternehmen nicht weiter wächst, so lässt sich die Dauer des Betrachtungszeitraumes in einen überschaubaren und einen unendlichen Planungshorizont unterteilen.

3.1.1 Endlicher Planungshorizont

    Der innere Wert ergibt sich im Rahmen eines endlichen Planungshorizontes, indem alle künftigen Erträge bzw. Rückflüsse (Vorteilsströme) unter Berücksichtigung des Veräußerungs(kurs-)wertes einer Aktie auf die Gegenwart mit einem Kapitalisierungszinsfuß i abgezinst werden, um so den Wert der Rückflüsse aus heutiger Sicht vergleichbar zu machen.

 : Present Value, innerer Wert der Aktie zum Zeitpunkt t = 0
  : Vorteilströme pro Aktie in Periode t
 : Veräußerungswert der Aktie zum Zeitpunkt t = n
i     : Kalkulationszinsfuß (mit Berücksichtigung des systematischen Risikos)

3.1.2 Unendlicher Planungshorizont

    Geht man nun von einem unendlichen Beobachtungszeitraum aus, so entfällt der Liquidationserlös (der abgezinste Veräußerungswert des Wertpapieres). Der Gegenwartswert setzt sich nur noch aus den Rückflüssen zusammen:

Unterstellt man für die Vorteilsströme in allen Perioden gleich hohe Beträge, so ergibt sich folgende Formel:

    Die oben hergeleiteten Barwertformeln bilden die Grundlage für weitere Kennzahlen. Nachfolgend werden die einige Kennziffern erläutert. Durch Abwandlung des Grundprinzips können weitere Zahlen der Unternehmensbewertung konstruiert werden.

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